1945 bis 1961

Neubeginn im zivilen Luftverkehr und Aufbau einer Luftfahrtindustrie

Am letzten Tag des Zweiten Weltkrieges besetzten sowjetische Truppen Fliegerhorst und Luftkriegsschule. Daraufhin nutzten sowjetische Fliegereinheiten die Anlagen für die Ausbildung. Ab dem Beginn der 1950er Jahre plante die DDR den Aufbau eines eigenen Verkehrsflugzeugbaus. Als Standort für die Flugzeugproduktion wurde Dresden-Klotzsche ausgewählt, wo die Hallen und Gebäude der Luftkriegsschule gute Voraussetzungen für eine rasche Produktionsaufnahme erwarten ließen. Nach zähen Verhandlungen mit den sowjetischen Nutzern begann 1955 eines der größten Investitionsvorhaben der DDR-Volkswirtschaft: Auf dem Gelände von Flugplatz und Luftkriegsschule wurden eine 2 500 Meter lange und 80 Meter breite Start- und Landebahn, zwei gewaltige Montagehallen und eine Vielzahl weiterer Gebäude und Anlagen errichtet. Fast zeitgleich begann die Produktion von Il-14P-Passagierflugzeugen.

Der Flugplatz befand sich nun im Besitz der DDR-Luftfahrtindustrie. Als Werksflugplatz bot er gute Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Verkehrsflugs: Am 16. Juni 1957 landete hier das erste Linienflugzeug der Deutschen Lufthansa (DDR). Allerdings hatte die Luftfahrtindustrie alle Gebäude am Flughafen in eigene Nutzung genommen, so dass die Passagierabfertigung in der Innenstadt erfolgen musste. Am 2. Februar 1958 eröffnete eine sowjetische Tu-104 in Dresden das Zeitalter der Verkehrsflugzeuge mit Strahlantrieb auf den Flughäfen der DDR. Am 4. Dezember 1958 gelang dann der Jungfernflug des ersten deutschen Strahlverkehrsflugzeugs, der in Dresden entwickelten und gebauten »152«. Die Arbeiten an diesem engagierten Projekt hatten sich bereits erheblich verzögert und erlitten bald einen tragischen Rückschlag: Bei seinem zweiten Flug stürzte der »152«-Prototyp ab, die Besatzung kam ums Leben.

Am 22. Mai 1959 landete zum ersten Mal nach Wiederaufnahme des Luftverkehrs ein internationales Verkehrsflugzeug in Dresden: Eine Chartermaschine der ungarischen Malév holte Touristen nach Budapest. Mittlerweile war der Inlandsflugverkehr gut angelaufen, Luftfrachtversand in die ganze Welt wurde wieder möglich. Das Flugzeugwerk hatte derweil die Il-14P-Produktion beendet und nach neuerlichen Verzögerungen bis 1960 einen weiteren Prototypen der »152« fertig gestellt, der zwei erfolgreiche Probeflüge absolvierte. Zu dieser Zeit aber fiel die Entscheidung, den eben erst aufgebauten Flugzeugbau einzustellen. Das Prestige-Projekt hatte bereits 1,3 Milliarden Mark verschlungen und wäre noch auf Jahre hinaus unwirtschaftlich gewesen. Das Vorhaben hätte die international isoliert arbeitende DDR-Volkswirtschaft überfordert.

1962 bis 1989: Kalter Krieg und Kapazitätsengpässe